Lenin und die Jugend
Liebe Genossinnen und Genossen,
der echte Sozialismus ist zu einer dringenden Notwendigkeit geworden, um die Menschheit vor dem imperialistischen Weltsystem zu retten.
Die Jugend der ganzen Welt ist herausgefordert, sich zu dieser Situation zu stellen. Die Frage, wie man sein Leben ausrichtet und wofür man seine Kräfte und Fähigkeiten einsetzt, ist zu einer massenhaften Auseinandersetzung geworden. Manche verfallen in Selbstbeschäftigung, suchen individuelle Auswege oder lassen sich von rechts oder gar faschistischen Ideen beeinflussen. Aber es gibt auch deutliche Signale für den Weg des Kampfs! Eine Welle der Jugendrebellion schwappte in den letzten Wochen über mehrere Länder Afrikas und Asiens. Weltweit gibt es eine große Suche nach gesellschaftlichen Alternativen. „Lenins Lehren sind lebendig!“ bedeutet deshalb auch: Massenhaft Jugendliche für eine revolutionäre Lebensentscheidung gewinnen und eine sozialistische Jugendbewegung aufzubauen.
Weltweit stehen die revolutionären Parteien laut Lenin vor der Aufgabe, Jugendverbände aufzubauen, die tatsächlich eine Masse von Jugendlichen umfassen und um ein vielfaches größer sind als die revolutionäre Partei. Das ist leichter gesagt, als getan! Was lernen wir von Lenin für diese Aufgabe? Zu Beginn dieses Blocks wollen wir dazu folgende Punkte zur Diskussion stellen:
1. Lenin setzte großes Vertrauen in die Jugend, förderte sie und erkannte in ihr eine Triebkraft für den sozialistischen Aufbau. Ohne die Kampfeinheit von jung und alt kann die Arbeiterklasse nicht siegen! Die Jugend war in allen sozialistischen Ländern die praktische Avantgarde des sozialistischen Aufbaus. In ihrer Rebellion wird sie auch zur praktischen Avantgarde der Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution. Doch kann sie diese Rolle nur wahrnehmen, wenn sie die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei anerkennt und jeden kleinbürgerlichen Führungsanspruch ablegt. Die Jugend ist mutig, unerschrocken und tatkräftig – sie ist zugleich auch noch leichter beeinflussbar, oft schwankend, es fehlt ihr noch an Lebens- und Kampferfahrungen. Dass die Herrschenden heute weltweit ein ganzes System der kleinbürgerlichen Denkweise einsetzen, um die Jugend zu manipulieren und eine weltanschauliche Schlacht um die Jugend führen, macht die ganze Sache viel komplizierter als noch zu Zeiten Lenins. Allein über das Internet erreichen sie 24 Stunden, sieben Tage die Woche die Köpfe und Herzen der Jugend. Die MLPD hat die Schlussfolgerung gezogen, dass die Gewinnung und Erziehung der Jugend eine Lebensschule der proletarischen Denkweise sein muss, mit der die Jugend lernt, immer besser mit der kleinbürgerlichen Denkweise fertig zu werden und die proletarische Denkweise zu stärken. Das erfordert gerade von uns jungen Genossen viel Kampfgeist und dialektische Methode, tagtäglich den Kampf um die Denkweise bei uns selbst zu führen, nicht an der Oberfläche zu kratzen sondern in die Tiefe vorzudringen. Lenin fasste deshalb die Aufgaben der Jugendverbände zusammen: „Die Aufgabe besteht darin, zu lernen.“ (Lenin, Werke, Bd. 31, S. 272).
Dies muss schon bei den Kindern beginnen – aus diesem Grund hat die MLPD dem REBELL die Aufgabe gestellt, die Kinderorganisation Rotfüchse aufzubauen. Am weitestgehenden verwirklichen wir die Lebensschule der proletarischen Denkweise auf unseren Sommercamps: mit Schulungs- und Bildungsarbeit, Subbotnikeinsätzen, selbstorganisiertem Urlaub, Sport, Freundschaft und Zusammenhalt, enger Verbindung mit der Masse der Jugend in Thüringen, usw. Dazu gehören ganz besonders auch Kampfaufgaben: so hat das Sommercamp dieses Jahr einen Beitrag geleistet zur antifaschistischen Aufklärungsarbeit hier in Thüringen gegen die Faschisten. Aber in unserer alltäglichen Arbeit ist das oft noch nicht so vielfältig entwickelt. Wir führen dabei einen Kampf gegen eine Geringschätzung der Kulturarbeit, um ein kulturvolles Organisationsleben und darum, uns eng mit der Masse der Jugendlichen zu verbinden. Das betrifft das ganze Leben: zusammen zu lernen, zu arbeiten, zu feiern und zu streiten.
2. Lenin vertrat, dass es organisatorisch selbständige Jugendverbände geben muss, damit die Jugend den Willen zur Tat, zum selbständigen verantwortlichen Handeln erlernt. Er wandte sich aber auch gegen jede Form der Überhöhung oder Kritiklosigkeit gegenüber der Jugend! „... nicht nur deshalb, weil die Opportunisten diese Selbständigkeit fürchten, sondern auch dem Wesen der Sache nach. Denn ohne vollständige Selbständigkeit wird die Jugend nicht imstande sein, sich zu guten Sozialisten zu entwickeln und sich darauf vorzubereiten, den Sozialismus vorwärtszuführen. Für die vollständige Selbständigkeit der Jugendverbände, aber auch für die volle Freiheit einer kameradschaftlichen Kritik ihrer Fehler! Schmeicheln dürfen wir der Jugend nicht.“ (»Jugend-Internationale«, Lenin, Werke, Bd. 23, S. 164/165). Die MLPD hat drei grundlegende Wechselbeziehungen zu ihrem Jugendverband REBELL: wir arbeiten unter ideologisch-politischer Führung der Partei, arbeiten in der Praxis eng zusammen und die MLPD fördert die organisatorische Selbständigkeit des REBELL. Letzteres betrifft ganz besonders die finanzielle Unabhängigkeit.
3. Lenin beantwortete die Frage, wie die Arbeiterjugend lernen muss. In der Schrift „Die Aufgaben der Jugendverbände“ heißt es dazu: Die Arbeiterjugend „kann den Kommunismus nur studieren, wenn sie jeden Schritt ihrer Schulung, Erziehung und Bildung mit dem ununterbrochenen Kampf der Proletarier und Werktätigen gegen die alte Ausbeutergesellschaft verknüpft.“ Besondere Beudeutung hat dabei der Kampf der Arbeiterjugend, der Kampf gegen Faschismus und Militarismus. „In diesem Kampf wird sie wahre Kommunisten erziehen, jeder Schritt ihrer Schulung, Bildung und Erziehung muß diesem Kampf untergeordnet und mit ihm verknüpft sein. Die Erziehung der kommunistischen Jugend darf nicht darin bestehen, daß man ihr alle möglichen erbaulichen Reden hält und sittliche Regeln predigt. Nicht darin besteht die Erziehung.“ (Lenin, Werke, Bd. 31, S. 284). Lenin hat das selbst so praktiziert: Er baute bei der Elektrifizierung des sozialistischen Russlands vor allem auf den kommunistischen Jugendverband! Er stellte den jungen Genossen die Aufgabe, alles dafür notwendige zu lernen, sich von keinen Schwierigkeiten aufhalten zu lassen und sich aufs engste mit den Arbeitern und Bauern zu verbinden. Selbstlosigkeit und Einsatz für große Aufgaben ist etwas, was die Jugend begeistert. Man kann die Jugend dagegen nicht begeistern, wenn man ihr nichts zutraut, sie sozialpädagogisch betüteln will oder Theorie und Praxis trennt. Dabei müssen wir in den revolutionären Jugendverbänden zersetzende Einflüsse wie Kurzatmigkeit, Desorganisation und Egoismus überwinden. Heute bedeutet das ganz besonders, zähe, systematische Kleinarbeit unter den einfachen Jugendlichen und Kindern in Schulen, Betrieben und Wohngebieten machen! Anarchistische Strömungen, die diese Bewusstseinsbildung umgehen wollen, hat schon Lenin entschieden kritisiert. Und daraus ergibt sich auch die große Bedeutung der Subbotnikbewegung, die wir auch heute weiterführen.
4. Auch von Lenin als Person können wir sehr viel lernen: Er war Intellektueller. Er hätte Karriere machen können. Aber er hat sich anders entschieden und seine Fähigkeiten vollständig in den Dienst der Befreiung der Menschheit gestellt. Er hat sich aufs engste mit den Arbeitern und Bauern verbunden, ist im ganzen Leben mit ihnen verschmolzen. Auch wir müssen uns heute fragen: was machen wir mit unseren Talenten und Fähigkeiten? Warum sollen wir unsere Fähigkeiten in Berufszweige stecken, die letztlich dazu da sind, dieses System zu stützen? Warum gehen nicht die besten Leute in die Großbetriebe, wo sich das internationale Industrieproletariat konzentriert und die entscheidenden Klassenschlachten geführt werden? Wir müssen einen Schwerpunkt auf die Gewinnung der Arbeiterjugend legen. Im REBELL sind 50% der Leitungsmitglieder Industriearbeiterjugendliche. Auf diesen Trumpf sind wir stolz! Es darf aber auch nicht zu einer Vernachlässigung der Gewinnung von Studenten führen, wo wir noch viel zu lernen haben.
Wer die Jugend hat, hat die Zukunft – so sagte es auch der deutsche Kommunist Karl Liebknecht! Wir freuen uns auf die lehrreiche und streitbare Diskussion!